Kennst du den Ausdruck: Connecting the dots?

Ich habe ihn das erste Mal vor einigen Jahren in einer Präsentation gehört. Ich war so davon begeistert, weil ich selbst zu dem Zeitpunkt die letzten 10 Jahre meiner beruflichen Laufbahn „connecten“ konnte. Alles, was ich gelernt und durchgemacht hatte, hat nun einen Sinn ergeben. Mein Durst nach Sinnhaftigkeit war gestillt.

Vorerst!

Heute „connecte“ ich andere Dots und siehe da: Schon wieder ergibt alles einen Sinn 😀 ! Zumindest für heute…

Steve Jobs hat aber in seiner Rede ein paar entscheidende Informationen zu „Connecting the dots“ verschwiegen.

In diesem Beitrag erfährst du

  • Welche Vorarbeit du dafür leisten musst
  • Wie du richtig „connectest“
  • Was du danach unbedingt noch machen solltest

Steve Jobs Rede

2005 hielt Steve Jobs die Rede an der Stanford University, in der er über drei Lektionen aus seinem Leben gesprochen hat. Die erste Lektion war: Connecting the dots. Hier ist ein Auszug aus der Rede:

“Again, you can’t connect the dots looking forward; you can only connect them looking backward. So, you have to trust that the dots will somehow connect in your future. You have to trust in something — your gut, destiny, life, karma, whatever. This approach has never let me down, and it has made all the difference in my life.” Steve Jobs

Steve Jobs Theorie basiert darauf, dass wir tief in uns wissen, wohin wir im Leben gehen. Es mag sich nicht immer so anfühlen, aber wenn wir an einem bestimmten Punkt angelangt sind, können wir zurückblicken und den Sinn unseres Weges erkennen.

Connecting the dots als Teil eines Kreativitätsprozesses

„Collecting the dots” lässt sich sehr gut auf einen Kreativitätsprozess übertragen. Unser Gehirn macht dabei viele Verbindungen zwischen dem, was uns bekannt ist und erschließt so neue Wege.

Dabei gibt es im Kreativitätsprozess drei Phasen:

  • Collecting the dots (lang)
  • Connecting the dots (kurz)
  • Correcting the dots (kurz-lang)

Bevor wir also „connecten“ können, müssen wir eine wichtige Sache noch machen.

Collecting before connecting

Einfach gesagt, kannst du nichts „connecten“, was du nicht „collected“ hast.

„Collecting“ ist die zeitaufwendigste Phase im kreativen Prozess.

Das bedeutet, dass die Dots – deine Erfahrungen und dein Wissen – unheimlich wertvoll sind. Denn je mehr du erfährst und lernst, desto mehr Verknüpfungen wirst du später machen können. Darunter werden sich die schönsten und ausgefallensten Verbindungen befinden.

Sei also für deine Vergangenheit dankbar, denn du weißt heute noch nicht, welche tolle Möglichkeiten schon morgen auf dich warten, eben weil du es so gelebt hast, wie du es gelebt hast.

Auf den Job bezogen kannst du dir Inspiration holen:

  • Auf Messen
  • In den Broschüren der Konkurrenz
  • Am Tag der offenen Türen anderer Unternehmen
  • YouTube Videos
  • In anderen Abteilungen
  • In Gespräche mit Freunden
  • Büchern und Blogs

Wichtig ist, dass du mit dem Ziel an die Sachen rangehst, dich zu inspirieren. Das bedeutet, dass du dich nicht selbst unter Druck setzt, etwas Schlaues darin zu sehen, sondern dir sagst:

„Das ist ein Dot, den ich mitnehme. Mal sehen, ob ich ihn später „connecten“ kann.“

Es ist wie Muscheln am Strand sammeln.

Behandle alle Dots als gleichwertig und gleichwichtig, denn du weißt im Moment nicht, welches Bild sie später mitgestalten. Das erfährst du erst im Nachhinein.

Wir bezeichnen als Inspiration einen Dot, der uns zufällt und plötzlich in der unordentlichen Punktwolke ein wunderschönes Sternbild enthüllt. Deshalb lieben und suchen wir die Inspiration, denn sie ist oft nur das letzte Puzzelstück.

“Collecting” hilft gegen Blockaden

Wenn du mal ein kreatives Tief hast, dann lass die Arbeit liegen.

Hab kein schlechtes Gewissen, dass du nicht vorankommst, weil du kein „connecting the dots“ machen kannst. Denn dein Unterbewusstsein arbeitet weiter. Wie? Na, es macht weiterhin „collecting and connecting the dots“ und wenn etwas Brauchbares dabei ist, wird dein Unterbewusstsein es in dein Bewusstsein melden.

Das Einzige, was du machen kannst, ist entweder zu einem anderen Projekt wechseln, wie das geht, erzähle ich in dem Beitrag „Multiswitching“ oder ganz entspannt auf die Suche nach Inspiration – dem Dot – zu gehen.

In einem sowjetischen Zeichentrickfilm „Das Mädchen und der Kelch“ heißt es übers Beerenpflücken:

  1. Die erste Beere nehme ich
  2. Die zweite sehe ich
  3. Die dritte nehme ich wahr
  4. Die vierte stelle ich mir vor

Das lässt sich wunderbar aufs Ideensammeln übertragen.

Nimm deine Umgebung mit all deinen Sinnen wahr. Das ist das Beste „collecting“, das du gegen Blocken tun kannst. Und glaub ganz fest daran, dass es nur ein vorübergehendes kreatives Tal ist. Täler gehören nämlich zu jeder Landschaft dazu.

Connecting the dots

Steve Jobs beschreibt mit „Connecting the dots” einen großen Aha-Moment, ähnlich dem Eureka-Moment von Archimedes, als dieser bei einem Bad eine mathematische Erleuchtung hatte. Der Unterschied ist lediglich, dass wir nicht nackt durch die Stadt laufen wie Archimedes und „Eureka“ schreien.

Mir ist es noch nie im Leben gelungen die Dots krampfhaft zu verbinden. Es ist mir aber immer gut gelungen, wenn ich folgendes gemacht habe:

  • Sich entspannen
  • Einen ruhigen Abend verbringen
  • Spazieren gehen
  • Mit einem Freund oder Partner darüber reden
  • Es für eine Weile liegen lassen

Die Dots „connecten“ von selbst, wenn es soweit ist und eine interessante Kreation im Kopf entsteht. Danach folgt eine weitere wichtige Phase, denn mit „connecting“ ist man noch lange nicht fertig.

Correcting after Connecting

Wenn wir also endlich das lang gesuchte Bild als Vision vor dem inneren Auge haben und für uns alles einen Sinn ergibt, fangen wir unwillkürlich an, das Bild auszugestalten und es zu verbessern. Jetzt wissen wir ja, wo es hingehen soll mit unserer Kreation.

Dabei gilt es nicht nur Fehler zu korrigieren, sondern auch das Gesamtergebnis zu optimieren.

Das „correcting“ finden wir in jedem Kreationsprozess wieder:

  • Der Koch verfeinert sein Gericht noch mit Gewürzen.
  • Der Stylist guckt, ob der andere Schmuck nicht doch noch besser zum Outfit passt.
  • Der Lektor rundet die Geschichte ab.
  • Der Mathematiker vereinfacht die Gleichung.

Die „correcting“-Phase kann je nach Kreation wenig oder viel Zeit in Anspruch nehmen. Wichtig ist dabei, sich von seinem Perfektionismus nicht bremsen zu lassen. Wie das geht, erkläre ich in dem Blogbeitrag „Perfektionismus – so wird aus Selbstbefriedigung eine effektive Selbstoptimierung“.

In diesem letzten Schritt ist die Meinung anderer Entscheidend, wenn es bei dir nicht um harte Zahlen oder Messdaten geht. Aber selbst dann, kannst du andere nach ihrer Meinung dazu fragen. Du wirst so viel wertvolles Input bekommen, was letztendlich wieder „collecting the dots“ ist.

Und so bewegst du dich wie auf einer Spirale auf das finale Ergebnis zu.

Kritik an „Collecting the dots”

Ich habe oft erlebt, dass unkreative Menschen oder Chefs unter Zeitdruck die Wichtigkeit von „collecting the dots“ nicht verstehen wollen und ihre Mitarbeiter folgenderweise kritisieren:

  • Du hast keinen Fokus.
  • Warum interessiert dich das?
  • Du kommst nicht schnell genug auf den Punkt.
  • Du bist zerstreut.
  • Du hast das Ziel nicht im Blick.

Dann kannst du das hier antworten:

The more I collect, the better I connect, the less I correct.

Katharina Boguslawski

Bleib kreativ!

Du machst das gut

Kat

Bildnachweis von Steve Jobs: Matthew Yohe, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=82773576

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